Einen meiner arbeitsfreien Nachmittage widmete ich dem Friedhof Père Lachaise, auf dem zahlreiche berühmte Persönlichkeiten ihre letzte Ruhe fanden (oder suchen). Ich bin zunächst nur gemütlich durch die „Grabgassen“ geschlendert, wollte einfach ein bisschen herumirren, schöne Namen lesen und wenn, dann nur zufällig auf Prominenten-Ruhestätten stossen. Doch relativ bald (nämlich wenn man andere Besucher zielstrebig und organisiert, mit Friedhofsplan ausgerüstet, auf bestimmte Gräber zulaufen sieht) packt einen dann doch der Ehrgeiz: Gräber-Spotting! Der Friedhof ist riesig, und zum Glück helfen ein paar aufgestellte Pläne bei der Orientierung.

Wer seine Friedhofstour von vorneherein etwas organisierter angehen möchte, sollte sich am Haupteingang einen Faltplan besorgen – und dann jene aufsuchen, die einen interessieren: Edith Piaf oder Oscar Wilde, Honoré de Balzac oder Frédéric Chopin, vielleicht auch Marcel Proust oder Yves Montand.
Der wohl grösste Teil der Besucher strömt zum Grab von Jim Morrison, das abgesperrt ist und polizeilich bewacht wird. Einem ruhigen The-Doors-Gedenken kann man sich somit nicht hingeben. Aber manchem gelingt es – trotz der Bewachung -, dem Sänger eine letzte Ehre zu erweisen. So zündete ein junger Mann neben mir eine Zigarette an und warf sie schnell aufs Grab. Jim dürfte sich gefreut haben.


Bei aller „Sensationslust“ sollte man aber das Schlendern nicht vergessen; das Betrachten unbekannter Gräber, verwildert oder erst frisch geschmückt. So stösst man dann auch ganz zufällig auf Interessantes. Etwa auf das Grab des Journalisten Yvan Salmon, der unter dem Synonym „Victor Noir“ schrieb. Im Jahr 1870 wurde er von Prinz Pierre Bonaparte, einem Neffen Napoleons des Dritten, erschossen. Noir war damals 22, und er sollte als Zeuge eines Duells zwischen dem Prinzen und einem Journalisten-Kollegen dabei sein, der den Prinzen in der Zeitung angegriffen hatte. Um Formalitäten für dieses Duell zu klären, ging Noir zu Bonaparte – der ihn ohne bekannten Grund erschoss.
Dieses Verbrechen hat eine Welle von Sympathiebekundungen für Noir ausgelöst, und es wurde Geld für ein Denkmal gesammelt. Das Ergebnis – erstellt von Bildhauer Jules Dalou – liegt nun auf dem Grab Noirs. Um die Skulptur rankt sich übrigens die Legende, dass sie bei Berühren eines „bestimmten Körperteils“ Unfruchtbarkeit heilen könne. Wer genau hinschaut, sieht dann auch, dass eben jene Stelle im Vergleich zum Skulptur-Rest sehr glänzend und poliert erscheint. Viele Verehrer/innen hinterlassen ihm auch letzte Botschaften im Zylinder.

Der Friedhof Père Lachaise hat eine sehr ansprechende Website, die zu einem virtuellen Rundgang einlädt und die Gräber sämtlicher Berühmtheiten mit Standort und Foto zeigt. Das ist nützlich, denn sie alle zu sehen, das ist selbst an einem sehr langen Nachmittag nicht zu schaffen.

Alle Fotos: Katja Schönherr

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