Wenn man, vor allem am Wochenende, die Metro-Station Anvers verlässt, ist man plötzlich sehr schnell von sehr viele Menschen umgeben. An der Oberfläche treten Horden von Touristen auf der Stelle, bis sie die Orientierung gefunden haben. Wenn sie sie schliesslich gefunden haben, pressen sie sich alle durch dieselbe Gasse den Hügel hinauf gen Basilique du Sacré-Cœur. Sucht man sich einfach ein anderes Gässchen zum Aufstieg, wähnt man sich schon wieder fast alleine und kann gemütlich an ein paar Cafés und kleinen Läden vorbeischlendern, bis man oben ist.

So überlaufen diese Attraktion „Sacré-Cœur“ auch sein mag – ich denke, selbst wer sonst grosse Touristenaufläufe scheut, sollte sich in diesen ausnahmsweise einmal hinein begeben. Die Kirche ist einfach atemberaubend, strahlend, ja blendend weiss. (Sie wurde aus Château-Landon-Steinen gebaut, einem Travertin, der durch die Witterung sein Calcit abgibt und so mit der Zeit das bekannte, kreideartige Weiss annimmt.) Um hineinzukommen, musste ich nicht einmal anstehen, aber, zugegeben, im Inneren ist es schon sehr überfüllt, so dass es recht viel Konzentrationsfähigkeit beansprucht, will man einige Zeit im Gedenken verbringen.

Die Basilika ist der höchste Punkt in Paris. Ich hab’s leider nicht geschafft, einmal am Abend hinzugehen, um einen Blick über das städtische Lichtermeer zu erhaschen. Aber auch am Tag ist die Aussicht beeindruckend, und man kann über den Dächern auf die Suche nach Wohlbekanntem gehen: Ist das der Louvre? Wo ist eigentlich der Eiffelturm?

Auf den Stufen spielte eine britische Band. Nach und nach versammelten sich zahlreiche Zuschauer um sie herum, um bei den gecoverten Songs zu klatschen oder mitzusingen. Es kam regelrechte Konzertstimmung auf, und ich setzte mich eine Weile dazu. Es war einfach nett, ohne dass man das Gefühl hatte, auf eine komische Touristen-Animation reinzufallen.
An anderen Ecken betätigten sich mehr oder weniger begabte Pantomime-Artisten, weitere Sänger, ein alter Herr bastelte „fluschige“ Schlüsselanhänger-Hündchen. Hier fiel es mir nicht schwer, meiner sonst ausgeprägten „Kaufen!“-Versuchung standzuhalten. Zu gucken gibt es viel, das Treiben rund um Sacré-Cœur ist wahnsinnig interessant.

Hinter der Kirche, ausserhalb des Trubels, lohnt es sich noch, durch den beliebten Stadtteil Montmartre zu spazieren. Mein Tipp ist die Avenue Junot. Die Strasse dürfte die teuerste in Montmartre sein; sie weiss mit tollen Gebäuden aufzuwarten sowie noch einigen beschaulichen Nenengassen, in der einem das Stadtleben auf einmal ganz dörflich vorkommen kann, der Villa Léandre etwa.


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(Alle Fotos: Katja Schönherr; Video: Google)

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