Am liebsten schlenderte ich während meines Paris-Aufenthalts durch das jüdische Viertel „Le Marais“. Das Wort bedeutet so viel wie „Sumpf“ oder „Morast“; ursprünglich war das Quartier tatsächlich ein Sumpfgebiet, das man im 13. Jahrhundert trockenzulegen begann, um es bewohnbar zu machen. Und das ist auch gelungen: Ein wunderschönes Wohnhaus reiht sich heute an das nächste, und die vielen Hôtels particuliers zeugen von der reichen Adelsvergangenheit.

Plan_du_Marais

Zu entdecken gibt es im Marais wahnsinnig viel! Auch hier laden zahlreiche Läden zum Bummeln ein. Meinen liebsten namens „Merci“ auf dem Boulevard Beaumarchais habe ich hier bereits beschrieben.
Eine Strasse mit netten, kleinen Läden ist beispielsweise die Rue du Bourg Tibourg, auf der sich etwa der alteingesessene Tee-Laden Mariage Frères befindet. Als Papeterie-Strasse gilt die Rue du Pont Louis-Philippe. Wer Hunger hat, sollte sich in die Rue des Rosiers begeben und dort eine Falafel essen, etwa im „Mi-Va-Mi“. Die Strasse – sie gilt als das Herz des jüdischen Viertels – ist ein wenig überlaufen. Aber die Falafeln von dort sind jedes Gedränge wert! Aufpassen: Für eine Marais-Erkundungstour sollte man sich keinen Samstag aussuchen. Am Shabbat sind nicht nur die Falafel-Stände zu, sondern auch zahlreiche andere Läden.

Auf keinen Fall auslassen darf man den beliebten Platz „Place des Vosges“!
Place_de_Vosges

Der „Platz der Vogesen“ ist der ideale OrtPlace_des_Vosges_Arkade zum Auspannen, Eisessen oder Lesen, nachdem man viel herumgewandert ist. Er ist einer der ältesten Plätze von ganz Paris, und zahlreiche Berühmtheiten lebten hier, etwa Victor Hugo. Auf dem Platz herrscht ein reges Kommen und Gehen; er ist Treffpunkt für Pariser wie Touristen. Wer gerne Leute beobachtet, dürfte sein Vergnügen haben.
Der Platz wurde zwischen 1605 und 1612 angelegt. Und er gilt als der erste, der komplett von durchlaufenden Arkaden gesäumt ist. Damit war er Vorbild für zahlreiche spätere städtische Plätze. In den Arkaden befinden sich heute Schmuckläden, Bistrots und kleine Galerien, die mir aber eher wie Touristenfallen erschienen.

Ruhe findet man auch in den zahlreichen kleinen Gärten im Marais,Jardin_de_l'Hôtel_Donon die sich oft hinter Gittertoren verstecken – und deshalb nicht selten menschenleer sind. Ich brachte einige Zeit im Jardin de l’Hôtel Donon zu, das zum Musée Cognac-Jay gehört.
Nicht weit davon entfernt befindet sich übrigens das Picasso-Museum. Kulturinteressierte könnten zudem das Musée de l’Histoire de France aufsuchen oder das Museum für jüdische Kunst und Geschichte Hôtel Saint-Aignan. Auch das Centre Pompidou befindet sich im Marais.
Wer also in Paris ist, sollte sich mehr als einen Tag Zeit nehmen fürs Marais. Zumal: Neben dem Abklappern von Attraktionen ist es auch immer wieder schön, nur die Häuser und Gassen anzuschauen – und Kaffee zu trinken.

Marais

Alle Fotos: Katja Schönherr

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