Das Leben als Freelancer, zumindest als kopfarbeitender Freelancer, hat einen unschlagbaren Vorteil: Man kann von überall aus arbeiten. Man braucht als „moderner Nomade“, wie es der französischsprachige ebookers-Blog nebenan formuliert hat, lediglich ein Notebook und halbwegs schnelles Internet. Ich persönlich benötige übrigens noch einen „papiernen“ Kalender und einen Stift, dürfte damit aber eine Ausnahme innerhalb der „digitalen Bohème“ darstellen.
Als nun eine Bekannte vor Kurzem rundmailte (Betreff: „Über den Dächern von Paris“) und fragte, ob jemand den Sommer über ihr Appartement in Paris, (genauer: in Belleville, aber dazu einer andermal mehr) bewohnen wolle, war schnell auf „Antworten“ geklickt. „Ja, ich will!“

Ici

Also, los geht’s! Ein paar Wochen im sommerlichen Paris! Vormittags arbeiten, nachmittags die Stadt erkunden, so der Plan. Es hat sich als klug erwiesen, bereits an einem Samstag anzureisen. So bleibt zumindest fast das gesamte Wochenende, um schon ein paar nette Ecken zu sehen. Man hat dadurch immerhin ein bisschen Gefühl für die Stadt, bevor die Arbeitswoche beginnt und man sich auf dem Schreibtisch-Stuhl vor lauter Entdeckungsdrang nicht mehr halten kann. In obiger Aufzählung der Freelance-Notwendigkeiten hatte ich übrigens Eines vergessen: Disziplin. Die braucht man daheim, und wenn man woanders ist, wohl erst recht.

Für den Anfang also, dachte ich, sei ein waschechtes Touristen-Programm genau das Richtige. So hat man ein paar wichtige Sehenswürdigkeiten abgeklappert – und dann Zeit fürs individuelle Entdecken nicht ganz so überlaufener Plätze. Mein „Work & Travel in Paris“ eröffne ich also mit einem Spaziergang entlang der Seine. Startpunkt ist die Metro-Station „Trocadero“. Beim Auftauchen an die Erdoberfläche gewinnt man zum Einen einen prachtvollen Blick auf den Eiffelturm, zum Anderen wird Einem schnell bewusst, dass man sich gerade an einer der am häufigsten aufgesuchten Sehenswürdigkeit der Welt befindet. Viele Menschen, soweit das Auge reicht.

Eiffelturm
Der Eiffelturm hat gerade erst einen neuen Anstrich bekommen.
Hausboot_in_Bestlage
Ein Hausboot in bester Lage – mit Eiffelturmblick.

Aber ich habe es nicht anders gewollt! Ich überquere die Brücke „Pont d’Iéna“ und spaziere die Seine entlang, sehe auf meiner Seite das noch recht neue Musée du Quai Branly und gegenüberliegend ein Museum für moderne Kunst, den Palais de Tokyo. Vor, hinter und neben mir watscheln andere Touristen. Mal in grossen Gruppen, mal auch nur in Familiengrösse. Es macht Spass, sich aus etwas Entfernung dem Nationen-Raten hinzugeben, um dann beim nahen Vorbeigehen anhand der Sprache zu merken, dass man Recht hatte: Natürlich Amis! Natürlich Deutsche! Eine Sache aber scheint sich unter den Touris aller Nationen durchgesetzt haben, so dass sie also nicht als Länder-Erkennungsmerkmal dient: die Crocs.

Links und rechts kann man sich immer wieder an der typischen Paris-Architektur erfreuen, an den grossen Fenstern, den schönen Balkon-Balustraden, den weissen Fensterläden. Zu gerne würde man all die Appertements mit teurem Seine-Blick einmal von innen sehen. Angekommen am Parlament, der Assemblée Nationale, überquere ich den Pont de la Concorde und erblicke die berühmte Place de la Concorde, die, sonst vor Autos und Mopeds gefährlich wimmelnd, heute geradezu ruhig vor sich hinfährt. Dem Sonntag sei Dank, an dem ohnehin des Befahren der Strassen parallel zur Seine verboten ist. Der Platz ist der grösste von Paris; von hier gehen auch die Champs-Elyseés ab, die mit der bekannten Sichtachse bis zum Arc de Triomphe aufwarten.
Von hier aus kann man nun durch die Tulierien schlendern, sich entweder hinsetzen und Entspannen oder auch eines der Museen aufsuchen, etwa das Musée de l’Orangerie, in dem vorrangig impressionistische Werke ausgestellt sind. Allerdings: Zeit zum Warten sollte man mitbringen.Kuss-Fälschung Mir jedenfalls macht die Eintrittsschlange Angst, und so ergötze ich mich lieber an den Kunstwerken im Freien, etwa Auguste Rodins „Der Kuss“, der sich im Original bewundern lässt. Einige Fälschungen standen aber auch herum, wie nebenstehendes Foto dokumentiert.

Dann erreicht man den Louvre – und dürfte von dessen Grösse einmal mehr beeindruckt sein. Die Massen warten auf Einlass vor der vom chinesisch-amerikanischen Architekten Ieoh Ming Pei erbauten, funkelnden Pyramide. Ich frage mich, ob die Museums-Oberen nicht besser damit führen, Extra-Tickets nur fürs Betrachten der „Mona Lisa“ zu verkaufen. Dann würden die Touris schnell durch einen Extra-Mona-Lisa-Raum geschleust. Und die wenigen übrigen, wirklich kunstinteressierten Besucher müssten erstens nicht lange anstehen und hätten zweitens ihre Ruhe. Nun, sicher hatte man die Idee schon und sie aus irgendeinem Grund, der mich sehr interessieren würde, verworfen.

Spätestens am Louvre dürften die Beine allmählich schmerzen. Aber eine Attraktion geht noch! Und so laufe ich über die Brücke Pont Neuf auf die Île de la Cité, wieder treibend im Besucherstrom. Angekommen bei der Kathedrale Notre Dame gebe ich mich der Entzückung über dieses Bauwerk eine Weile hin, bevor ich weiterziehe und auf dem Pont St-Louis noch einige Minuten lang die (wirklich guten) Strassenmusiker geniesse.
Letztes Ziel ist die „Strand“-Promenade Paris Plages entlang der Seine. Dort war nur noch eines wichtig: Einen Milchkaffee schnappen, dann einen Liegestuhl, dann: se reposer!

Alle Fotos: Katja Schönherr

Tagged: Archive, Frankreich, Reisetipps & Insider

Kommentare

  • Julia

    Wenn ich das lese, wäre ich auch gerne digitale Bohème. Schön!

    11. August 2009 at 15:51
  • Katja Schönherr

    @Julia,
    es ist wirklich zu empfehlen:-)

    11. August 2009 at 19:43
  • GhEeTt0OooScHmEttErLiinQ

    Das ist ziemlich Ghetto 😀
    Aber aber aber ; die küssen sich auf dem Bild garnicht. Jajaa ; alles gefaked .. AAALLEEES gefaked !
    Nenene.
    Naia okei; hadelan Peter Pan 😀
    Passt auf euch auf ; Schwestas und Brudas ! 😀
    Kueszchen unsoo 😀

    20. August 2009 at 12:32
  • Katja Schönherr

    @GhEeTt0OooScHmEttErLiinQ
    Danke für diese bereichernden Worte…

    20. August 2009 at 12:35
  • Tom

    Paris ist zwar unglaublich hektisch und laut, so wie andere Großstädte eben auch. Aber dieses beschriebene Flair, wie zum Beispiel beim Trinken des Milchkaffees hat man wirklich nur hier. Toll.

    12. Mai 2010 at 12:52

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