Unsere erste chinesische Hochzeit!

Sie fing schon ziemlich ungewöhnlich an – denn eingeladen hat uns nicht etwa das Brautpaar, sondern der Chef unserer Kitesurfschule.

An einem Montagnachmittag war ich ein paar Stunden am Kitesurfen. Als ich gerade im Begriff war zu gehen, kam der Chef der Kitesurfschule und verkündete mir, dass wir für diesen Abend zu einer Hochzeit eingeladen seien. Eine Hochzeit an einem Montag und so kurzfristig ohne schriftliche Einladung? Na ja, andere Länder, andere Sitten!

Auf die Frage, was ich anziehen solle, zeigte der Kitesurflehrer auf seine Strandklamotten und meinte achselzuckend: „Egal, so wie ich jetzt angezogen bin, wir kommen ja direkt vom Strand!“

Wichtiger als die Kleidervorschriften, die es hier in China sowieso selten gibt, war ohnehin das Mitbringen des „Hongbao“, eines roten Umschlags mit Geld. Nebst dem Chinesischen Neujahr schenkt man diesen auch zu einer Hochzeit.

Die Hochzeit fand im edlen Hotel „Le Meridien“ statt. Zuerst stand es an, ein Foto mit dem Brautpaar zu machen. Dann wurden wir zu unserem Tisch begleitet. Man, war ich gespannt, wie eine chinesische Hochzeit ablaufen würde!

Es waren zwei Tische für die Kitesurfer-Freunde des Bräutigams reserviert. Die Tatsache, dass ich diesen kaum und dessen Braut überhaupt nicht kannte, machte dem Paar nichts aus. Im Gegenteil: Es gilt wohl sogar als Statussymbol eines Brautpaars, wenn auch ein paar „laowai“ (Ausländer) auf der Hochzeit mittanzen.

Der Saal war reichlich geschmückt. Überall hingen Fotos des Brautpaars. In der Mitte des Saals war ein kleiner Pavillon aufgebaut. Und auf der Bühne wurde auf Grossleinwand eine Diashow mit den Hochzeitsfotos abgespielt, die eingangs geschossen worden waren. Der Saal war brecht gross, und die vorderen Tische schon voll besetzt.

Schon bald wurde der erste Gang serviert – und auch der Alkohol floss! Ein mehrgängiges Menu mit speziellen Gerichten war vorgesehen. Das Brautpaar war allerdings immer noch dabei, die später kommenden Gäste zu begrüssen. Ich hatte mir ja vorgestellt, dass zuerst getraut und dann gegessen wird.

Dann – endlich – beim zweiten Gang begann die Trauung. Zuerst wurde das Leben des Brautpaars und wie es zueinanderfand gezeigt. Jede Szene wurde mit einer Zeichnung auf rotem Sand dargestellt. Das Ganze wurde mit Musik untermalt und kommentiert. Verstanden habe ich leider nicht viel. Zwischendurch wurde heftig geklatscht und gerufen.
Das Brautpaar stand im Pavillon und begab sich zur Bühne. Dort lasen sich Braut und Bräutigam gegenseitig einen Text vor. Plötzlich wurde wieder geklatscht, und das Brautpaar küsste sich.
War’s das jetzt? Sind sie nun verheiratet? Irgendwie ging mir das alles ein bisschen zu schnell. Aber laut unseren chinesischen Freunden waren die beiden nun Mann und Frau. Schon wurde der nächste Gang serviert, und es wurde fröhlich weiter gegessen, getrunken und geschwatzt.

Irgendwann gegen Ende des Essens kam das frisch getraute Paar mit seinem Gefolge (Eltern, Geschwister, Trauzeugen, etc.) an unseren Tisch zum Anstossen. Bei einer chinesischen Hochzeit ist es Tradition für die frisch Vermählten, jeden Tisch abzuklappern. Natürlich wird das Glas „auf ex“ geleert, oder wie es auf Chinesisch heisst: „Ganbei!“ Die Frau darf durchaus auch mit etwas Nicht-Alkoholischem anstossen, aber vom Mann wird erwartet, dass er das trinkt, was ihm am Tisch angeboten wird. Der arme Bräutigam! Der Saal umfasste rund 30 Tische. Bei unserem Tisch stand ihm der Schweiss schon auf der Stirn, und er hatte erst etwa die Hälfte hinter sich.

Eine weitere Tradition ist, dass sich die Braut während der Hochzeit ein paar Mal umzieht. Da sie während der Tischrunde kein weisses Kleid mehr trug, wusste ich nicht, welche von den Frauen jetzt genau die Braut ist.

Nach dreistündiger Feier mit ausgezeichnetem Essen und Unmengen Alkohol war der ganze Zauber auch schon vorbei. Beim Ausgang wurden die Gäste nochmals fotografiert, mit Braut, welche wieder ein anderes Kleid trug, und Bräutigam, der kaum noch auf den Beinen stehen konnte.

Das war sie also, meine erste chinesische Hochzeit. Fazit: ein lustiger Abend mit vielen ungewöhnlichen Szenen. Und so anders als bei uns!

Die Autorin: Tamara Benz, Jahrgang 1983, ist in Davos geboren und aufgewachsen, ehe sie für sieben Jahre nach Brugg zog. Dann ging ihre Reise weiter: Seit kurzem lebt sie nun in China. Ihr Freund hat hier einen Job als Expat in der Stadt Xiamen bekommen. Und sie will die Möglichkeit nutzen, Land, Leute und die Sprache kennenzulernen. Hier im Blog berichtet Tamara regelmässig über ihr Leben in Asien.

Tagged: Archive, China, Reisetipps & Insider

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