Die zu Taiwan gehörende Inselgruppe Jinmen, auch Kinmen genannt, hat etwa 85‘0000 Einwohner, liegt rund zwei Kilometer vor der Küste Xiamens und besteht aus Gross- und Klein-Jinmen sowie aus 13 weiteren kleinen Inseln.

Kinmen ist von Xiamen aus mit der Fähre in knapp einer Stunde zu erreichen. Bei gutem Wetter kann man die Insel vom Festland aus sogar sehen. Da Taiwan nicht zu China gehört, benötigen Touristen wie ich ein China-Visum mit mehrmaliger Einreiseerlaubnis, um wieder zurück in die Volksrepublik reisen zu können. Für Kinmen selbst braucht man aber kein Visum.

Will man einen Tagesausflug auf die Insel machen, sollte man relativ früh am Morgen starten. Die erste Fähre von Xiamen läuft etwa 8 Uhr aus; die letzte geht um 18 Uhr zurück. Die paar Stunden dazwischen reichen, um zumindest die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Kinmens zu sehen.

Die angenehmste Art, die Insel zu erkunden ist: mit dem Taxi. Diese stehen ausserhalb des Fährenterminals. Wir mieteten ein Taxi für fünf Stunden, was uns umgerechnet gerade mal CHF 50.- kostete. Dem Fahrer versuchten wir mit Händen und Füssen klarzumachen, dass er uns zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Insel bringen soll.
Will man die Insel auf eigene Faust erkunden, ist es auch möglich, im Hauptort Jincheng einen Roller zu mieten. Fahrräder kann man gratis ausleihen, sie werden an vielen Orten angeboten. Scheut man den Sport nicht, sicher eine schöne Variante. Dazu sollte man aber mindestens zwei Tage auf der Insel bleiben.

Geschichtlicher Hintergrund

Nachdem die Truppen der Kuomingtang 1949 vom chinesischen Festland nach Taiwn fliehen mussten, konnten sie die Kinmen-Inseln halten. In den Jahren darauf folgten mehrere Angriffe der chinesischen Volksbefreiungsarmee auf die Inseln, welche von den Kuomingtang mehr oder weniger erfolgreich abgewehrt wurden. Kinmen wurde zu einer Festung Taiwans erklärt und von den USA unterstützt.

Am 23. August 1958 begann erneut ein 44-tägiges Bombardement von Kinmen durch Truppen der Volksrepublik China. Die Angriffe auf die Insel hielten noch Jahre an, jedoch ohne Erfolg. Zwanzig Jahre lang bekämpften die beiden Staaten einander in einem bizarren Ritual: An ungeraden Tagen beschoss China die Insel, an geraden Tagen feuerten die taiwanesischen Streitkräfte von Kinmen zurück. Erst als China Mitglied der UNO wurde, wurde das andauernde Bombardement eingestellt.

Sehenswürdigkeiten

Teile der beiden Hauptinseln wurden 1995 als Nationalpark unter besonderen Schutz gestellt. Die landschaftlich reizvollen Inseln mit ihren zahlreichen Häusern im typischen Fujian-Stil zeigen heute noch Spuren des Krieges. So stehen an den Stränden vereinzelt zerschossene amerikanische Panzer. Das Betreten vieler Strandabschnitte ist immer noch verboten, da sie teilweise von Minen bedeckt sind. In mehreren Museen können Waffen, Flugzeuge, Panzer und aus chinesischen Granaten gefertigte Messer besichtigt werden.

Die gesamte Insel ist von unterirdischen Kanälen und Tunneln durchzogen, die teils besichtigt werden können. In diesen Kanälen hatte die taiwanesische Armee ihre Boote versteckt, die einen Angriff Chinas abwehren sollten. Im Zentrum der Hauptinsel wurde unterirdisch ein komplett ausgestattetes Krankenhaus gebaut.

Im Hauptort Jincheng gibt es zahlreiche Hotels, Restaurants und Souvenirläden. Dort befindet sich auch die sogenannte „Mofanstrasse“. Diese schmucke Fussgängerallee beherbergt Häuser im Japanischen-Stil im ersten Abschnitt und solche im Fujian-Stil im zweiten. Aufgrund der engen und qualitativ guten Strasse wurde sie Modell(also: „Mofan“)-Strasse genannt.

Ebenfalls sehenswert ist der 2599 Meter lange „Zivilverteidigungstunnel“, der 1978 erbaut wurde.

Eine weitere Touristenattraktion ist das „Mashan Observing Center“, eine ehemalige militärische Beobachtungsstation. Sie wurde an der Stelle der Insel errichtet, wo die Distanz zum chinesischen Festland am geringsten ist. Heute wird sie als Sternwarte genutzt. Ein unterirdischer Tunnel führt zu ihr.

Das 8-2-3 Artillerie Museum ist wohl das kleinste Museum, das ich je gesehen habe. Dennoch ist es sehr informativ und liefert die Ausstellungstexte sogar in englischer Übersetzung. Dabei erfährt man vieles über die Bombardierung Kinmens durch die chinesische Armee.

Ein weiteres Unikat ist ein 33 Meter hoher Felsen mit einer chinesischen Redensart als Inschrift, welche die Leute an die Schwierigkeiten der Vergangenheit erinnern soll.

Charakteristisch für Kinmen sind die einzigartigen originellen „Windlöwengott-Statuen“ (Windgott in Form eines Löwen), welche man überall auf der Insel findet. Neuerdings können sie auch in einem Park besichtigt werden können.

Kinmens bekanntestes Produkte ist der aus Hirse gebrannte, hochprozentige „Kaoliang“-Likör. Er ist in verschiedenen Geschmacksrichtungen und Stärken erhältlich und kann in den Likörbrennereien Kinmens degustiert werden.

Übrigens könnten sich manche Europäer an der Beweglichkeit einzelner älterer Taiwanesen oder auch Chinesen ein Beispiel nehmen (siehe letztes Foto oben). Mit täglichen Stretchübungen beherrscht dieser Mann auch in hohem Alter noch den Spagat und ähnliche Verrenkungen.

Die Autorin: Tamara Benz, Jahrgang 1983, ist in Davos geboren und aufgewachsen, ehe sie für sieben Jahre nach Brugg zog. Dann ging ihre Reise weiter: Seit kurzem lebt sie nun in China. Ihr Freund hat hier einen Job als Expat in der Stadt Xiamen bekommen. Und sie will die Möglichkeit nutzen, Land, Leute und die Sprache kennenzulernen. Hier im Blog berichtet Tamara regelmässig über ihr Leben in Asien.

Tagged: Archive, China, Reisetipps & Insider, Taiwan

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